Die Talfer in Südtirol
Die Talfer (italienisch Talvera) entspringt am Penserjoch in 2781 m Höhe.
Durch das Sarntal fließt sie nach Bozen und mündet dort nach 45 km in den Eisack.
Die Landschaft entlang des Flußes ist einfach atemberaubend.
Im oberen Teil tief in das Sarntal eingeschnitten, mit steilen, zum Teil überhängenden Felsen, öffnet sich der Blick weiter unten auf die Weinberge rund um Bozen.
Das Wasser ist kristallklar, mit einem flaschengrünen Ton, schöner geht's nicht.
Bei einer Wassertiefe von 30 - 80 cm ist sie gut bewatbar, es sind aber auch einige tiefe Gumpen vorhanden.
Schöne Rauschen und Schwellen sorgen für Abwechslung.
Die Strecke des Fischereiverein Bozen (www.fischen-pescare.bz.it) gliedert sich in die Abschnitte 239/a und 239/b.
Der obere Teil - Nr.239/a - erstreckt sich auf 7,5km von der Einmündung des Marterlochbaches (Gasthof Turisten)
bis zum Ort Sill (Tennisplätze). Die naturnahe Struktur - zumeist unverbaute Ufer, Felsbrocken, lose Steine - machen das Fischen in dieser Strecke etwas mühsam, aber erlebnisreich. Bei klarem Wasser sind die Fische sehr scheu, ein etwas vertrübtes Geläuf lässt die Chancen auf größere Fänge deutlich steigen.
Die Strecke verläuft grundsätzlich in der Schlucht längs der Straße ins Sarntal.
Der untere Teil - 239/b - ist 2,4 km lang, von der Sill (Tennisplätze) bis zur Antonbrücke in Bozen und wurde von dem Verein als reine Fliegenstrecke ausgewiesen. Kapitale Forellen der 60er Klasse sind nicht nur vorhanden, sie werden auch gefangen. Streamer (Marabou, Zonker, Rehhaarstreamer) können bei höherem Wasserstand am Abend die Überraschung bringen.

Da der Wasserstand durch ein Stauwerk reguliert werden kann, ist unbedingt auf den Schwellbetrieb zu achten, entsprechende Warnschilder sind aufgestellt.
Beide Fischwasserstrecken erreicht man über die Straße (in Bozen ausgeschildert), welche nach Sarnthein führt.
Wo soll man anfangen, wo sind die Toppstellen?
Als Gastfischer hält man sich am besten an den unteren Abschnitt von Schloß Runkelstein flußaufwärts bis zum Staudamm, das sind ca. 2 km. Damit bin ich eine Woche beschäftigt.
Zwei von vielen guten Stellen stelle ich vor.
1. Aus Richtung Bozen kommend bis zur Talstation der Bergbahn fahren, dort sind ausreichend Parkmöglichkeiten direkt an der Ufermauer. Sie stehen jetzt bereits am Ufer der Talfer.
50 Meter nach oben gehen, am anderen Ufer steht direkt über dem Fischer das stolze Schloß Runkelstein.
Am Wasser ist eine ca. 10 Meter hohe Staumauer, über die das Wasser als Fall rauscht. Logisch, das sich darunter ein tiefer Pool gebildet hat. Direkt in das weiße Wasser eine schwere Nymphe platzieren und sofort auf eine heftige Attacke gefaßt sein. Sie konnte nicht wiederstehen!
Im trichterförmigen Auslauf des Gumpens biete ich dann wieder eine Trockene an, abends gerne eine grau/braune, nicht zu kleine Sedge. Sie darf ruhig etwas dreggen! Kurz nach einem Regenguß oder bei angetrübten Wasser ist eine 14er Naßfliege ein guter Tipp.

Nach der Staumauer flußaufwärts kommen jetzt 4 kleine Wasserfälle, sie sollen die Fließgeschwindigkeit vermindern. Das sind meine liebsten Stellen am Fluß, hier war ich noch nie Schneider.
2. Wieder aus Bozen kommend am Ort Sill auf einer schmalen Brücke die Talfer überqueren, nach der Brücke links weiter, am Gasthof "Seeberger" vorbei bis zum Eisplatz fahren, dort parken.
Das Wasser ist jetzt zu sehen; anschauen, staunen und dann fischen. Vorsicht, die Fische sind sehr scheu!
Ich werfe gerne mit einer trockenen16er CDC ausgemachte Fische an, oder klopfe einen Bereich ab, wenn nichts zu sehen ist. Beim nächsten Gumpen auf eine kleine Nymphe wechseln, das Muster ohne zu dreggen in die Tiefe dümpeln lassen, mit dem "Leissenring" wieder heben und volle Konzentration.
Mittagspause dann im Gasthof Seeberger, auf der Terasse sitzt man unter einem Himmel aus blauen Weintrauben, die von der Pergola runterhängen. Die Spaghetti mit Knoblauch und Rucolla waren ein Gedicht und der rote Südtiroler Vernatsch lädt zum längeren verweilen ein.

Und die Fische?
Der Bestand setzt sich aus wunderschön gezeichneten Bachforellen aus eigener Fortpflanzung, sekundär aus Marmorierten Forellen und Hybriden, sowie aus Regenbogenforellen zusammen. Auch Bachsaiblinge habe ich schon gelandet. Im unteren Teilstück können gute bis starke Äschen gefangen werden.
Als Gerät empfehle ich eine Rute der Klassen 4 - 5 und einer Länge von 8 - 9 Fuß. Eine Schwimmschnur reicht aus, ebenso Watstiefel, allerdings bietet eine Wathose mehr Komfort (ausser wenn man muß!).
Eintagsfliegen, Größe 12-16 sind richtig, als Farbe bevorzuge ich beige/braun und ein nicht zu dunkles oliv. Ich fische fast nur mit naturfarbenen CDC-Fliegen, meine Freunde meinen, auch an diesem Wasser ist meine "Geniale" unschlagbar (ist auf meiner Binde-CD).
Bitte beachten, daß an der Talfer ein gutes Perla-Aufkommen zu beobachten ist und um diese Steinfliegen zu imitieren, braucht es schon Muster der Größe 8 - 10.
Nymphen sollten bei der relativ geringen Wassertiefe nicht zu stark beschwert ein, mit der Hasenohr in braun und einer gängigen Goldkopf ist man gut gerüstet, allerdings ziehe ich persönlich einen schwarzen Tungstenkopf vor. Die altbewährte Phasant Tail hat mir ebenfalls schon gute Fische an den Haken gelockt.
Es ist nur eine Fliege am Vorfach erlaubt, das Vorfach darf nicht beschwert werden!
Als Unterkunft empfehle ich zwei Toppadressen.
Zum einen das erstklassige Hotel Winkler(www.hotelwinkler.com/) in Tschars im Vinschgau. Der Anfahrtsweg zum Wasser beträgt zwar 30 Minuten, aber man ist hervorragend untergebracht und die Etsch, ein weiteres interessantes Gewässer, ist nur 20 Meter vom Haus entfernt. Hubert, der Wirt, ist ein sehr erfahrener Fliegenfischen und ein passabler (!) Jäger.
Die zweite Adresse ist die Pension Sonnheim(www.sonnheim.com/) in Gargazon im Tal der Etsch, sie liegt näher zum Wasser, in 15 Minuten ist man da. Auch Robert, der Hausherr, ist Fliegenfischer und kennt die Strecken wie kein zweiter.
Ein ganz ganz wichtiger Tipp ist das Fischereigeschäft Fischer in Bozen.
Besitzer ist Herr Christian Marseiler.
Aufschreiben und nicht vergessen, wenn ihr hinfahren wollt!
Adresse: Fischer OHG Bozen
Mazziniplatz 18 in Bozen
Tel. 0039-0471-270777
Mail: fischer kg@yahoo.it
In dem gut sortierten Laden wird man immer fündig, auch mal Dinge, die in deutschen Landen nicht zu finden sind. Das wichtigste aber, Herr Marseiler ist selbst passionierter Fliegenfischer und Fischwirt, kennt die Talfer wie seine Hosentasche und gibt gerne und geduldig Auskunft über die Strecke und vor allem über die gängigen Fliegen.
Er ist sehr gut sortiert und man kann sich zu vernünftigen Preisen eindecken.
Warum ich so von ihm schwärme? Weil ich selten in einem Geschäft so freudlich bedient worden bin und ich bin immerhin schon an die 40 Jahre mit der Rute unterwegs.
Zum Fischen braucht man in Südtirol (Italien) die staatliche Lizenz D, sie ist 3 Monate gültig und kann im Fischeramt in Bozen zum Preis von 30.- Euro erworben werden.
Und jetzt die gute Nachricht: wenn sie ein paar Tage vorher bei Christian Marseiler anrufen oder mailen, besorgt er die Lizenz für sie, denn der Gang zu italienischen Behörden ist ähnlich erbauend wie bei uns.
Die Tageskarten für die Talfer kosten pro Tag 20.-Euro und sind ebenfalls bei H. Marseiler erhältlich.
Vom 15.Mai bis 30.September ist die Talfer offen.
Als Ausweichmöglichkeiten empfehle ich den Eisack, offen ab 15.April, oder die Etsch. Auch für diese Wasser bekommen sie Erlaubnisscheine im Fischereigeschäft, zum Teil auch in beiden Unterkünften.
Die amtlichen Schonmaße:
Marmorierte Forelle (Salmo trutta marmoratus) - 35 cm
Bachforelle - 25 cm
Regenbogenforelle - 25 cm
Bachsaibling - 25 cm
Äsche - 30 cm
Wann ist die beste Zeit?
Natürlich sind wie an fast allen Wassern das Frühjahr und der Herbst auch hier zu empfehlen, aber sie sollten unbedingt einmal im Lenz die Südtiroler Baumblüte erleben, wenn das ganze Tal in strahlendem Blütenweiß erstrahlt.
Dann ist nicht nur gut fischen, auch die Seele wird gestreichelt und kann baumeln. Aber informieren sie sich vor ihrer Reise über das aktuelle Wetter, dazu können sie folgende Seite aufrufen:www.provincia.bz.it/wetter/südtirol.htm
Zum Schluß, nicht lange überlegen, sondern hinfahren, ihr werdet es nicht bereuen und grüßt die beiden Wirte von mir, wen immer ihr auswählt.
Allen fairen Fischern ein Petri Heil und Grüß Gott,
Raimund Bleninger